Medizinisch Chemisches Labor

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Bestimmung des sFlt-1/PlGF Quotienten

Sehr geehrte Frau Kollegin,

Sehr geehrter Herr Kollege!                  

Labors.at bietet Ihnen ab sofort die Bestimmung des sFlt-1/PlGF Quotienten (Elecsys® sFlt-1/ PlGF ratio von Roche Diagnostics) zur Vorhersage und Diagnostik der Präeklampsie an.

Die Präeklampsie stellt eine schwere Schwangerschaftskomplikation dar, die unbehandelt mit einer hohen maternalen und kindlichen Morbidität und Mortalität einhergeht.

Bei der Pathogenese spielt ein Ungleichgewicht von Angiogenese-Faktoren eine bedeutende Rolle, die die Bildung der plazentaren Gefäße und damit die Versorgung des Fötus beeinflussen. Bei der Präeklampsie kommt es zu einer Überproduktion des Anti-Angiogenese-Faktors sFlt-1 (soluble Fms-like Tyrosinkinase-1). Seine starke Bindungsaffinität zu dem Pro-Angiogenese Faktor PlGF (placental Growth Factor) resultiert in einem Abfall der PlGF Konzentration, die zur Unterdrückung der plazentaren Blutgefäßbildung und Unterversorgung des Föten führen kann.

 

Risikofaktoren für das Auftreten einer Eklampsie sind:

  • Erstschwangerschaft
  • Alter > 35 Jahre
  • Präeklampsie bei vorhergegangener Schwangerschaft
  • bestehende Hypertonie
  • Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Autoimmunerkrankungen

 

Folgende Symptome sind für die Präeklampsie charakteristisch:

  • Neu auftretender Blutdruck von über 140/90 mmHg (beziehungsweise eine Steigerung um mehr als 30/15) in der Schwangerschaft.
  • Harn-Ausscheidung von mehr als 300 mg Protein in 24 Stunden.
  • Auftreten von Ödemen und eine über das normale Maß hinausgehende schwangerschaftsbedingte Gewichtszunahme.

 

Ergibt sich aus der Zusammenschau der oben angeführten Konstellationen der Verdacht auf die Entwicklung oder das Vorliegen einer Präeklampsie, kann mit einer einfachen Blutuntersuchung, der Bestimmung des sFlt-1/PlGF Quotienten, Klarheit geschaffen werden.

Der sFlt-1/PlGF Quotient lässt sich in der Vorhersage einer Präeklampsie einsetzen, da eine Erhöhung bis zu 5 Wochen vor dem Beginn klinischer Symptome auftritt.

Der sFlt-1/PlGF Quotient ermöglicht die Diagnose einer Präeklampsie und kann gut in der Differentialdiagnose von anderen hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen (z. B. Nierenerkrankungen, SLE) eingesetzt werden.

Bei einem Quotienten < 38 ist die Entwicklung einer Präeklampsie innerhalb einer Woche sowohl in der frühen (20. bis 34. Schwangerschaftswoche) als auch in der späten Gestationsphase (ab 34. SSW) mit fast 100 % Wahrscheinlichkeit auszuschließen (negativer prädiktiver Wert 99,3 %).

Bei einem Quotienten zwischen 38 und 85 in der frühen Gestationsphase bzw. zwischen 38 und 110 in der späten Gestationsphase besteht bei den Schwangeren ein mittleres Risiko, eine Präeklampsie zu entwickeln. Die Betroffenen sollten mittels Blutdruck-Selbstkontrolle, Harnstreifentest auf Protein und einer Quotienten-Bestimmung im Intervall intensiver überwacht werden.

Bei einem Quotienten > 85 in der frühen Gestationsphase bzw. > 110 in der späten Gestationsphase liegt mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Präeklampsie vor, die einer stationären Aufnahme und einer engmaschigen medizinischen Überwachung bedarf.

praeeklampsie

Literatur: Zeisler H, Llurba E, Chantraine F, et al. (2016). Predictive value of the sFlt-1:PlGF ratio in women with suspected preeclampsia. N Engl J Med 374:13-22.

 

Die Krankenkassen refundieren die Bestimmung des sFlt-1/PlGF Quotienten nicht. Die Untersuchung kostet 99,- Euro.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne unter 01 26053/100 zur Verfügung.

 

Mit kollegialen Grüßen

 

Ihr Labors.at Facharztteam

MR Dr. Johannes Bauer

Univ.-Doz. Dr. Georg Endler

Univ.-Doz. Dr. Markus Exner

Dr. Eva Mühl

Dr. Michael Mühl

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Speiser

Univ.-Prof. Dr. Susanne Spitzauer

Dr. Sonja Wagner

Dr. Peter M. Winter